Um Ostern herum ist ziemlich viel los. Das war eben das dritte Abendmahl in drei Tagen - Tischabendmahl am Gründonnerstagabend, ein Abendmahl im Gottesdienst am Karfreitagmorgen, das nächste eben gerade in der Osternachtmesse... Das kann ja für's Karma nur gut sein!
So ein Gottesdienst um Mitternacht herum folgt eigenen Gesetzen! Das geht schon damit los, dass die Kirche nur von Kerzen erleuchtet ist. Anderes Licht, andere Schatten. Es ist auch viel ruhiger als morgens - wobei, so richtig ruhig ist's hier ja nie. Entweder heizt ein Motorrad über die Schnellstraße, eine Bahn donnert über .ne Brücke, wahlweise pfeift sie vielleicht auch zwischen den Kleingärten, oder aber ein Flugzeug pfeift oder heult oder donnert. Manchmal tuckert auch nur 'n Schiff über'n Fluß...
Trotzdem ist die Umgebung so anders, dass das Weniger an Geräusch die Aufmerksamkeit für die Sprache, die Musik, das Drumherum erhöht. So ist das Erleben dieser Zeit eine durch und durch positive Erfahrung, schliche sich nicht gegen Mitternacht eine gewisse Müdigkeit in den armen, gebeutelten Leib...
Die Organistin spielt zu solch später Stunde auf dem Klavier - aber frag' nicht , wie! Was? Zwecklos? Nein, nein, ganz und gar nicht! Sie spielte ein bekanntes 'Halleluja' und improvisierte das nach zwei Takten solcherart, dass ich mich wahlweise in einem Keith Jarret oder aber einem George Winston Konzert wähnte...
Jetzt heißt's Kraft sammeln für gleich - die Kinder singen am Morgen in der Kirche. Hosianna...
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