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grau - n.i.c.h.t.s



grau
Una Melancholia
grau - image
Sie standen da zu viert herum, vor diesem Absperrband...
Gernot betrachtete sie schon eiine ganze Weile. Ganz offenbar waren sie eine Familie. Der Vater war nicht sehr groß gewachsen, nicht länger als 1,72 m, dafür schlank und wohl auch gut durchtrainiert, denn er trug zwei Töchter auf dem Arm, eine etwa zwei, die andere etwa sechs Jahre alt. Beide Kinder waren auch nicht besonders kräftig, aber dennoch war sich Gernot sicher, dass es auch einiger Kraft bedürfe, sie auf Dauer im Arm zu behalten.

Die Mutter war ein wenig kleiner als der Vater, sicher unter 1, 70 m, hatte lange blonde Haare, von einer Strahlkraft, wie sie nir Friseure den Haaren zu geben in der Lage sind, keinesfalls jedoch die Natur. Auch sie war eher zierlich gebaut, hatte aber ein kräftig ausladendes Hinterteil, dass durch die komische Haltung, die sie ihren hohen Absätzen schuldete, noch grotesk betont wurde.

Gernot war sich nicht sicher, ob er diesen Anblick für den Augenblick mögen sollte oder nicht. Er fand das Objekt seiner Betrachtung auf eine begierige Weise anziehend, aber auch obszön. Es war diese Form der Obszönität, die auch ästhetisch nicht ganz gelungene optische Darreichungen gefällig erscheinen lassen, weil sie, aus welchem Grund auch immer, an archaische Urinstinkte appellierten.

Als der Vater sich hinter seine Frau stellte, war Gernot auf einmal die Sicht verstellt. Mühsam löste er seine Augen von der Stelle, die er zu erfassen trachtete, und kehrte langsam wieder in die Wirklichkeit zurück. Beim Hochwandern seines Blickes erfaßte ihn ein lähmender Schreck, als er feststellte, dass der Vater sich nicht nur vor seine Frau gestellt, sondern auch noch Gernot beim Beobachten beobachtet hatte.

Noch bevor er einen Gedanken fassen konnte, lief Gernots Gesicht, vom Blick des Vaters gefangen genommen, an, wie eine reife Süßkirsche. Er versuchte sich gegen diese Reaktion seines Körpers zu stemmen, aber es wollte ihm nicht gelingen. Zu tief saß der Schreck über das Ertappt werden bei dieser einseitig intimen Betrachtung eines fremden Körpers von ausgerechnet demjenigen, der doch diesen Körper so gut kannte, wie niemand sonst.

Gernot konnte einfach nicht anders, als zu glotzen. Der Vater wendete seinen Blick von ihm ab, blieb aber, seinen Besitzstand wahrend, stehen, während seine Frau, die von all diesen Ereignissen noch nichts ahnte, ein Schild zu studieren trachtete, welches hinter der Absperrung war.

Der Mann beugte sich an ihr Ohr. Er flüsterte der Frau etwas zu. Diese erstarrte, dann drehte sie sich langsam um und blickte zu Gernot, mit vor Staunen geöffnetem Mund.

Gernot hatte die Fassung wieder gewonnen. Er lächelte der Frau, beseelt vom Willen, sich das Schöne, was er während der Betrachtung empfand, nicht nehmen zu lassen, zu, verbeugte sich leicht und winkte, bevor er sich zum Gehen abwendete, noch einmal. Dann hörte er im Weggehen, wie sie kicherte.

Gernot fühlte sich erleichtert. Er ging. Er wußte nicht wohin, aber er wußte, dass er gehen wollte... Also ging er.


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