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Die Sage von der Pfaffenkammer und der Rethwelle | wellingholzhausen


Die Sage von der Pfaffenkammer und der Rethwelle
In den Bergen des Teutoburger Waldes zwischen Wellingholzhausen und Borgholzhausen liegt eine große Höhle, die Pfaffenkammer genannt. Die Sage erzählt, sie reiche bis Herford und sei sieben Stunden lang. Sie soll von den ersten Christen dieser Gegend angelegt sein, um sich darin vor den Überfällen der Heiden zu schützen. Eine kleine Stunde weiter westlich von ihr entspringt auf der linken Seite der Dissener Straße unter hohen Buchen die Rethwelle, früher Rettwelle geheißen. Sie ist ein heiliges Wasser, weil in ihr einst die Taufe gespendet wurde. In der Pfaffenkammer wohnte nun vorzeiten ein frommer Klausner, der bei den Leuten in hohem Ansehen stand. Er heilte die Kranken mit den Kräutern des Waldes und lehrte die Bewohner das Veredeln der Wildlinge. Hoch ragte das Kreuz am Eingang der Höhle empor und gemahnte die Menschen im Tal an den Sieg des Erlösers über das Heidentum. Eines Tages jedoch war das Kreuz in den Bergen verschwunden. "Was ist gesehehen?" fragten die Leute bestürzt. Man sandte Boten aus, um nach dem Klausner zu suchen. Vergebliche Mühe; denn niemand kehrte zurück. Endlich lüftete ein zehnjähriges Mädchen das Geheimnis. Es hatte im Walde Beeren gepflückt. Da hörte es dröhnende Schritte. Ein Riese, der über alle Büsche und Bäume hinwegragte, stapfte heran. Schnell versteckte sich das Kind unter Buchengesträuch. Das Gesicht und die Hände des Riesen waren dicht mit schwarzen Haaren bewachsen. Ihm folgte ein Hund von der Größe eines Rindes. Er war ebenso entsetzlich anzusehen wie sein Herr. Vor ihm floh das Mädchen in eine Fuchshöhle. Der Hund witterte es, scharrte und bellte am Eingang, bis der Riese ihn anschrie: "Dummes Vieh, du suchst nach Füchsen, anstatt mir Rehe oder Hirsche, Schafe oder Menschen zu bringen!" Ein Fußtritt folgte den Worten, und der Hund heulte fürchterlich. Dann war alles still bis auf die Schritte des Riesen, die sich nach der Pfaffenkammer entfernten. Die Kunde von dem Riesen und seinem Hunde verbreitete sich in der ganzen Gegend. Ihnen war auch der fromme Klausner zum Opfer gefallen. Als nun der Bergwald leer war an Nahrung für beide, brach der Hund in die Schafherden ein, raubte Kühe und tötete auch Menschen. Vor dem Eingang der Pfaffenkammer häuften sich die Knochen, und die Raben und Geier stritten sich um die Reste. Wenn der Riese satt war, legte er sich in die Höhle und schnarchte so laut, daß man ihn im ganzen Gau hörte und vor Furcht erzitterte. Nun lebte auf der Dietrichsburg der Ritter Jörg, dem im Traum die weiße Frau erschienen war. Sie stand an seinem Lager und sprach: "Dich hat Gott berufen, das Land von dem bösen Riesen zu befreien. Rüste dich vor Sonnenaufgang, nimm ein scharfes Schwert, sattle deinen Schimmel und reite nach Süden. Dort wird dir das Glück begegnen. Folge ihm, ganz gleich, in welcher Gestalt es sich dir zeigt, zu einer Quelle. In der silberklaren Flut bade dich, dann wirst du im Kampf mit dem Riesen Sieger sein. Das Glück, das dir den Weg zeigt, wird dich nicht verlassen dein Leben lang." Der Ritter Jörg tat am andern Morgen, wie ihm die weiße Frau geboten hatte. Als er an den Teutoburger Wald kam, sprang ihm ein schneeweißes Kätzchen auf den Sattel. Er streichelte es und dachte: "Das wird mein Glilck sein!" Nach einer Weile standen sie vor dem heiligen Wasser. Das Kätzchen sprang ins Gebüsch. Der Ritter stieg ab, legte die Waffen beiseite und badete in der Rettwelle. Da nahte ein wütendes Gebell, und der große Hund des Riesen stand zum Sprunge bereit an der Quelle, um den Ritter zu zerfleischen. Doch gleich saß die weiße Katze dem Hunde im Nacken und schlug ihm die Krallen in die Augen. Erblindet stürzte er mit furchtbarem Geheul in den Wald zurück. "Das war mein Glück", sagte der Ritter und stellte sich gerüstet hinter eine breite Eiche, als der wütende Riese mit wuchtigen Schritten auf ihn zukam, aber vorbeiging, an eine breite Schlucht gelangte und die Böschung hinunterglitt, weil ihm die Keule als Stütze aus der Hand gefallen war. In diesem Augenblick sprang der Ritter aus seinem Versteck hervor, spaltete mit mächtigem Schwertstreich dem Riesen den Kopf und stieß den toten Unhold in die Tiefe. Dann dankte er Gott auf den Knien, bestieg an der Rettweile sein Roß, hob das Kätzchen zu sich auf den Sattel und ritt heim. Am andern Tage strömte das Volk in großen Scharen nach der Dietrichsburg und wurde dort aufs beste bewirtet. Die Edlen und Freien waren im Rittersaale versammelt und erlebten, wie Ritter Jörg das Kätzchen küßte und der Zauber schwand, denn nun hielt er statt seiner eine junge Gräfin von der Ravensburg umfangen, sie war das Glück, das nun immer bei ihm bleiben sollte. Der Jubel im Saale wollte kein Ende nehmen, und alle priesen das Walten des Himmels.
Nach Georg Brinkmann


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